Angedacht

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus.
Ihr Lieben,
am Neujahrstag nehme ich mir immer meinen neuen KALENDER vor. Noch sind all seine Seiten blütenweiß. Sie laden dazu ein all das zu notieren, was an Terminen schon feststeht und in Erinnerung gebracht werden will. Zuerst die Geburtstage von Familie, Freunden, guten Bekannten, wobei die runden besonders markiert werden müssen. Bloss niemanden vergessen. Wann sind Familienfeiern zu erwarten oder gar auszurichten? Wie sind die Feiertage dieses Jahres verteilt? Wie liegen die Schulferien? Und wann könnten wir am besten Urlaub machen?Wann habe ich Frühschicht oder meinen freien Tag? Für bestimmte Aufgaben sind schon Termine gesetzt, die es einzuhalten gilt. Wieviel Zeit benötige ich neben allem anderen für die Vorbereitung? Dann habe ich mir ja auch einiges für das neue Jahr vorgenommen. Wenn ich solche Tage nicht schon jetzt blockiere, wird aus diesem Vorhaben nie etwas. Zu dieser Arbeit im neuen KALENDER passt genau der erste Teil aus den Sprüchen Salomos. Das ist der heutigen Predigt zugrunde gelegt. „Das Herz des Menschen Herz denkt sich seinen Weg“.

In der Tat, Ihr Lieben, solange das Herz des Menschen schlägt und bei Bewusstsein ist, denkt und plant es über den Augenblick hinaus. Ohne diese Fähigkeit würden wir ziellos von einem in den nächsten Tag hineintaumeln, geschoben und getrieben von dem, was da grade auf uns zukommt. Das Herz denkt voraus und ermöglicht uns damit, das Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.
Freilich kommt uns dabei oft ein großes Aber in die Quere. Das Aber des „Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt“. Was alles hat die nicht enden wollende Pandemie an Plänen zunichte gemacht! Ein langersehntes Hochzeitsjubiläum musste verschoben werden, bis es ganz ins Wasser fiel. Ein guter Freund hatte sich auf seinen runden Geburtstag gefreut. Den wollte er in großer Runde feiern. Doch der Lockdown verhinderte jedes Fest. Und wieder steht die Pandemie über diesem neuen Jahr.

Was auch immer ich in meinem KALENDER eintrage, es steht unter dem großen Vorbehalt des „Aber“. Das galt natürlich auch schon zu Zeiten, in denen die Pandemie so gut wie unbekannt war. Überall und immer wieder erleben wir Menschen, dass unsere Pläne durch unvorhersehbare Ereignisse durchkreuzt wurden.
Und so fährt unser Predigtwort im zweiten Teil fort mit dem Aber: „Aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“. Oder, wie es das Sprichwort sagt: „Der Mensch denkt, aber Gott lenkt.“ Das Aber gehört genauso zum Leben wie das Planen unseres Herzens, keine Frage. Und doch ist da eine Frage, über die ich nicht hinwegkomme:
Steckt Gott wirklich hinter dem Aber? Begegnet er dem planenden Herzen als der mächtigere Gegenspieler? Hat er Freude daran, der Spielverderber unseres Lebens zu sein? Legt Gott es darauf an, dass wir am Ende als die Dummen dastehen?

Alles in mir sträubt sich dagegen, mit solch einem Gott ins neue Jahr zu gehen und Euch dabei auch noch mitnehmen zu sollen. Deshalb nehme ich mir meine hebräische Bibel vor und schaue nach, was dort genau steht. In der Tat: Es geht los, wie wir es schon gehört haben: „Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg,“. Doch dann kommt eine Überraschung! Da steht als nächstes ein kleines Wörtchen, das eigentlich nur aus einem Buchstaben besteht. Im Hebräischen steht es so gut wie immer für das einfache „und“. Wenn Luther und andere es als „aber“ übersetzen, wollen sie damit offenbar den Unterschied zwischen den beiden Satzhälften betonen und sagen: Auf der einen Seite geht es um das sich seinen Weg erdenkende Herz, dort aber geht es um Gott, der die Schritte lenkt. Gewiss ist das ein Unterschied. Aber ist hier wirklich ein Gegensatz gemeint, in dem Sinn, dass Mensch und Gott einander gegenüberstehen? 

Wenn wir anstelle des Aber das Und stehenlassen, heißt es: „Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg, und Gott lenkt seinen Schritt.“ Damit verändert sich das Bild. Ohne das Aber 
begegnet Gott dem planenden Menschen nicht als Gegenspieler. Mit dem Und tritt er ihm als Mitspieler, als Wegbegleiter an die Seite. Ja, so gefällt mir das schon besser. Und das ist der Gott, den wir aus der Bibel von Anfang an kennen. Den Menschen hat er zu seinem Ebenbild erschaffen, hat sie und ihn ausgestattet mit der Fähigkeit, sich in ihrer und seiner Umwelt zu beheimaten.

Er ist der Gott, der mit uns in das neue Jahr geht. Wir machen Pläne. Wir füllen unsere KALENDER. Er hat diese Fähigkeit in uns angelegt und freut sich daran, wenn diese Pläne nicht nur vom Kopf, sondern mit dem Herzen gemacht werden. Denn das Herz achtet darauf, dass die Menschen, mit denen ich es zu tun habe, zu ihrem Recht kommen. Und Gott lenkt meinen Schritt. Ganz wörtlich steht da: „Er macht meinen Schritt grade.“ Er lässt mich aufrecht gehen und klar nach vorne sehen. Er bewahrt mich davor, ins Taumeln zu geraten und mich treiben und schieben zu lassen von dem, was da gerade auf mich zukommt. Gott sei Dank weiß ich, wohin ich will. Zielsicher kann ich meinen Weg gehen. Ich habe ja meinen KALENDER.

Und Ihr Lieben, Gott hilft mir auf die Beine, wenn mir wieder das große Aber einen Strich durch meine Pläne macht. Dann heißt es von seiner Seite nicht: Damit musst du dich halt abfinden, denn ich habe es anders gewollt. Nein, mit dem Unglück und dem, was uns Menschen schadet, steckt Gott nie unter einer Decke. Wenn Pläne sich zerschlagen haben, wenn wir niedergeschlagen und down sind, bekommen wir von ihm zu hören:
Komm, steh auf. Ich begleite dich. Ich habe was mit dir vor. Ich trau dir das zu, dass du das Beste aus dieser Misere machst. Ich mache deinen Schritt wieder gerade.

So höre ich Gott gerade auch im Blick über mein persönliches Leben hinaus. Über meine kleine Welt, meinen KALENDER hinaus. Im Blick auf das große Weltgeschehen. Wo wir von allen Seiten umgeben sind von Nöten, die uns überfordern. Die kaum noch aufzuhaltende Klimakatastrophe. Der nicht abreißende Strom von Menschen, die von Krieg, Hunger und Terror vertrieben nach Europa drängen. Die beängstigende Macht von Verschwörungstheorien, die vielen Menschen die Urteils- und Lernfähigkeit nimmt, um nur einiges zu nennen. Da gehen unserem Herzen die plausiblen Pläne aus.

Doch Gott an unserer Seite ist nicht am Ende. Er bleibt dabei. Gott sagt: Steht auf, alle, die ihr mit Israel und Jesus an mich glaubt. Ihr braucht die Welt nicht zu retten. Aber das Rechte tun und sagen in Euren Familien, Eurer Nachbarschaft, Eurem Umfeld, das könnt ihr. Damit geht ihr einen Weg, der in meine Zukunft führt. Und ich gehe mit Euch!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close